Von Edelstahl und Sterneköchen
Der Edelstahl-Blechverarbeiter Hubl aus Gündelbach blickt auf eine beeindruckende Firmengeschichte zurück. Was vor über 30 Jahren mit der Herstellung von Dunstabzugshauben begann, ist zu einem Entwicklungspartner seiner Kunden geworden, der Lösungen in Edelstahl konstruiert, die Form gestaltet und das Produkt in Serie fertigt. Das Unternehmen wird gern hinzugezogen, wenn es um Edelstahlprodukte höchster Güte für allerhöchste Anforderungen geht. Dass trotz großem Wachstums und renommierter Kunden in der Reinraum-, Pharma-, Solar- und Lebensmittelbranche bei Hubl dennoch die Menschlichkeit ganz hoch im Kurs steht, ist sicher Teil des Erfolgsrezeptes.
„Oft wird viel Aufwand betrieben, um eine Maschine zu finden, die drei oder vier Prozent produktiver ist, aber wie schnell leistet ein Mitarbeiter nur noch die Hälfte, weil er zu wenig Wertschätzung erfährt“, betont Rainer Kiefer. Der Geschäftsführer lebt genauso wie der Gründer Reinhard Hubl die Philosophie des kooperativen Führungsstils, der die Mitarbeiter respektiert und jeden darin unterstützt, seine Stärken und seine Persönlichkeit zu entwickeln und für das Unternehmen einzusetzen. Nicht zuletzt diese Haltung hat in den letzten 30 Jahren dazu geführt, dass aus einem kleinen Edelstahl- Blechverarbeiter ein gefragter Spezialist für führende Unternehmen der Lebensmittelindustrie genauso wie für die Medizin-, Pharma- sowie die Reinraum-, Klima- und Lüftungsbranche geworden ist. Die Experten aus Gündelbach werden gerne hinzugezogen, wenn Entwicklungen und Edelstahlprodukte höchster Güte und Qualität als Prototypen oder in Kleinstserien benötigt werden.
Vom Dunstabzug zur Wavertechnologie
Als Kurt Hubl sich 1976 im Alter von 50 Jahren selbstständig macht, tut er das nur, weil sein Sohn Reinhard – gerade 19 Jahre alt – mitmacht. Gemeinsam fertigen die beiden Dunstabzugshauben aus Edelstahl für Küchenhersteller. Dass dies zu einer Erfolgsstory wird, haben sich Vater und Sohn Hubl zwar gewünscht, sicher war es jedoch keineswegs. Sohn Reinhard war damals gerade Elektromechaniker geworden und hat zur Sicherheit noch ein Maschinenbaustudium angehängt. Dennoch wächst das junge Unternehmen in der Werkstatt in der Weinbaugemeinde Hohenhaslach rasant, ist mit der Herstellung der Produkte gut ausgelastet und beschäftigt schnell fünf bis sechs Mitarbeiter. Bereits 1985 werden die angemieteten Räumlichkeiten definitiv zu klein und ein Umzug nach Gündelbach in ein eigenes Gebäude schafft neue Möglichkeiten.
Was danach folgt, lässt das Unternehmen aber erst richtig wachsen. Quasi explosionsartig kommen Aufträge aus einer völlig anderen Branche hinzu. Die Halbleiterindustrie, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einen regelrechten Boom erlebt, benötigt dringend Anlagen und Maschinen zur Fertigung der begehrten Speichermedien. Edelstahlverkleidungen für die Maschinen sind dabei in höchster Oberflächenqualität gefordert. Schließlich findet alles unter Reinraumbedingungen statt, da darf nicht einmal theoretisch irgendein Staubkorn an einer womöglich rauen Oberfläche hängen bleiben. Zur benachbarten Firma Konvac baut Hubl sehr gute Geschäftsbeziehungen auf. Und als mit der Süss Microtec einer der weltweit führenden Spezialausrüster für die Chip- und Microsystemindustrie Konvac übernimmt, liefert Hubl plötzlich in ganz neuen Dimensionen Maschinengestelle und -verkleidungen für Beschichtungs-, Belichtungs- oder Verbindungsgeräte zur Herstellung von Wavern.
Bleche einkaufen wie ein Sternekoch
„Jetzt zeigt sich, wie gut es war, sich von Anfang an auf die nicht immer einfache Be- und Verarbeitung ausschließlich von Edelstahl zu spezialisieren“, betont Kiefer. Die Arbeit mit den oftmals V2A und V4A genannten Edelstahltypen 1.4301, 1.4016, 1.4404 und 1.4571 bedarf nämlich viel Erfahrung und oftmals besonderer Verfahren, um sie so zu schneiden, zu formen oder zu polieren, dass Reinraumqualität sichergestellt werden kann. Hinzu kommen höchste Anforderungen an die Bearbeitungsmaschinen. In Gündelbach wird stets viel Wert auf Investitionen in die Produktion gelegt. So steht bereits 1985 eine hochmoderne CNC-Maschine in der neu erbauten Halle, die dann schon 1990 erheblich vergrößert wird.
Die Sicherstellung der Qualität von Edelstahloberflächen geht bei Hubl jedoch noch viel weiter. So geht der Einkäufer schon einmal ins Walzwerk, um die Bleche direkt vor Ort zu begutachten und quadratmeterweise auszuwählen, um beste Ware ohne Einschlüsse einzukaufen. Kiefer vergleicht den Einkäufer dann „mit einem Sternekoch, der sich auf dem Großmarkt umschaut und sich die besten Zutaten für das abendliche Menü auswählt“. Das sei aber notwendig, betont der Schwabe, „denn wenn einmal die Schutzfolie auf dem Blech ist, erkennt man Materialfehler erst, wenn unsere Produkte fertig gestellt sind. Da ist es zu spät und wir müssten neu anfangen.“ Mit solchen Qualitätsanforderungen umzugehen, hat man nicht zuletzt auch durch Aufträge aus der Pharmabranche gelernt. Bei der Herstellung von Isolatoren für die Abfüllung von Medikamenten müssen die weltweit allerhöchsten Standards an Oberflächengüte, Schweißnähte und Kantengestaltung eingehalten werden.
Große Nachfrage von boomenden Branchen
An die Halbleiterindustrie liefern die Gündelbacher heute rund 30 Prozent ihrer Konstruktionen und Produkte. „Das war in den 1990er Jahren auch schon höher“, berichtet Kiefer, aber irgendwann seien die Produktionskapazitäten der Ausrüster auch einmal gesättigt gewesen. Doch just in der Zeit beginnt der Boom der CD- und DVD-Herstellung. Und wieder sind die Edelstahlspezialisten gefragt. Führende Ausrüster von Anlagen wie die Steag AG, heute Teil des Singulus Konzerns, werden zu guten Hubl-Kunden. Rund ein Viertel der Aufträge kommen aus der CD/DVD-Branche.
Und selbst wenn auch hier die zyklischen Faktoren und Trends wie Music-Downloads und MP3-Player für Rückgänge sorgen würden, ist man bei Hubl zuversichtlich. Das liegt auch an der 1995 aufgebauten Konstruktionsabteilung, die mit modernsten Programmen und inzwischen zehn bestens qualifizierten Mitarbeitern stärker wächst als die Produktion. Werden 1997 die Produktionsflächen verdoppelt und 2001 sowie 2003 weitere Hallen gebaut und in die Modernisierung des Maschinenparks mit einem vollautomatischen Laser- Schneid-Zentrum investiert, wächst seit 2005 die Konstruktion überproportional.
Tag für Tag Ideen in Blech umsetzen
„Das ist auch richtig und wichtig für uns“, erklärt Kiefer, „denn nun können wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen schon zu einem viel früheren Zeitpunkt einbringen und den Kunden als Entwicklungspartner schon bei Konstruktion und Gestaltung der Produkte beraten.“ Die Konstrukteure erarbeiten dann anschließend in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden die Entwürfe auch unter fertigungstechnischen Aspekten. So entstehen nicht abgehobene Entwürfe, sondern Ideen, die auch in herstellbare Produkte münden. Die Produktion im Haus, ist nach wie vor zentraler Bestandteil mit einer nahezu 100- prozentigen Fertigungstiefe. Wichtig seien aber die Ideen, die in den Köpfen der Mitarbeiter entstünden, erklärt der Geschäftsführer und kommt dabei wieder zu den Themen Motivation, Wertschätzung und Wohlfühlen. „Denn nur in einem guten Umfeld entstehen schließlich die Ideen, die uns Wettbewerbsvorteile verschaffen und uns zum Systemlieferanten mit Spezialwissen werden lassen.“
Unterstützt werden die Ideen durch einen in der Blechfertigung noch recht ungewöhnlichen Faktor, nämlich das Design. Seit 2002 lassen die Edelstahl- Experten Produkte schon auch einmal durch einen Industriedesigner gestalten. Mit Werner Scholpp hat Hubl einen sehr renommierten und regelmäßig international ausgezeichneten Industriedesigner für sich gewonnen, dessen Produktgestaltungen dem Hubl-Kunden Sartorius erst kürzlich außergewöhnliche Verkaufserfolge mit einer Lebensmittelwaage beschert haben. Verkaufsleiter André Marzinowski von Sartorius berichtet von einer regelrechten Prägung der Kunden auf die Waage, nachdem sie zunächst verwundert auf die außergewöhnliche Blechgestaltung geschaut hatten.
Gründergeist ist überall spürbar
Bei Hubl sorgen diese ständigen und stets zukunftsorientierten Weichenstellungen für kontinuierliches Wachstum und qualitative Weiterentwicklung. So erarbeiten inzwischen über 80 engagierte Mitarbeiter einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro und gute Aussichten für die Zukunft. „Denn wer als Mitarbeiter einmal dabei ist, der will nicht mehr weg“, betont Kiefer. Die Entwicklung wird auch 2002 nicht unterbrochen, als Reinhard Hubl sein Unternehmen im Rahmen der Nachfolgeregelung an die Gesco AG verkauft, um die Fürsorgepflicht für die Familien der Mitarbeiter auf mehrere Schultern zu verteilen und dem Unternehmen professionellere Strukturen in Controlling, Finanzierung und Investition zu geben. Die Beteiligungsgesellschaft mit langfristigen Interessen an mittelständischen Nischenanbietern sichert allen ihren Tochtergesellschaften operative Eigenständigkeit zu und sorgt für zeitgemäße Management-Standards. Dass dies dennoch den ganz individuellen schwäbisch-mittelständischen Geist des Firmengründers weiterleben lässt, der Ende April 2007 ausgeschieden ist, wird schon beim Betreten der Gebäude spürbar und setzt sich fort, wenn man mit den Menschen bei Hubl in Kontakt kommt. Um diese Geschichte weiterzuführen, haben die Gesellschafter dem ehemaligen Porsche- Mechaniker Rainer Kiefer die Geschäftsführung anvertraut.
