“Tolle Technik darf auch schön sein”
Hubl verkleidet High-End-Maschine und macht Spitzentechnologie von außen erkennbar
(Weilheim/Gündelbach) Mit ihrem neuen vollautomatischen Werkzeugbearbeitungs- zentrum Flexus bietet die Feinmechanik Michael Deckel GmbH & Co. KG sicher die technologische Spitze des derzeit Machbaren. Neben High-End-Technologien für CNCgesteuertes Werkzeugschleifen und dem derzeit schnellsten Schleifkörperwechsler am Markt beeindruckt die Anlage mit einem außergewöhnlichen Design. Dies zu realisieren war von Anfang an Teil der Gesamtkonzeption. Hierzu wurde mit Werner Scholpp einer der renommiertesten Industriedesigner beauftragt. Umgesetzt hat das Design die Hubl GmbH aus Gündelbach, die sich auf die Edelstahl- Blechbearbeitung spezialisiert hat und bekannt ist für außergewöhnliche Maschinenverkleidungen.
„Wir wollten von Anfang an die hohen inneren Werte des Werkzeugbearbeitungszentrums Flexus auch von außen sichtbar machen“, betont Frank Michels, Geschäftsführer der Feinmechanik Michael Deckel GmbH & Co. KG. „Deshalb sollten Design und Materialien der Maschinenverkleidung genauso unverwechselbar sein, wie die Spitzentechnologie im Innern“, so der promovierte Ingenieur weiter. Design und Funktionalität sollten sich dabei natürlich nicht ausschließen. „Die Funktionalität muss sehr hoch sein und die automatisch auf- und zuschwenkenden Flügeltüren zwischen Automatisierungsmodul und Schleifmodul müssen absolut dicht schließen, damit kein Kühlwasser in die Handlingeinheit gelangt“, erklärt Hubl Projektleiter Jochen Menge. Und Werner Scholpp von Scholpp Produktgestaltung formuliert das Ziel so: „Insgesamt sollte die Verkleidung komplett aus Edelstahlblechen bestehen und ein eigenständiges Design aufweisen, das die Präzision, die Hochwertigkeit und die Bedienungsfreundlichkeit der Maschine auf den ersten Blick hervorhebt.“ Dass dies sehr gut gelungen ist, wird jedem klar, der das Bearbeitungszentrum betrachtet. „Als wir die Flexus auf der EMO in Hannover erstmals gezeigt haben, blieben die Leute fasziniert an unserem Stand stehen“, erinnert sich Michels.
Wegbereiter durch Innovationen
Die 1950 gegründete Feinmechanik Michael Deckel GmbH & Co. KG setzt von Anfang an auf technisch hochwertige Lösungen in der Entwicklung und Herstellung von hochpräzisen und langlebigen Werkzeugschleifmaschinen. Innovationen von Deckel sind dabei immer wieder Wegbereiter, die später von der Branche übernommen werden. So stammen ein äußerst flexibler Kettenlader, der automatische Büchsenwechsel oder der automatische Schleifscheibenwechsler aus dem Präzisionsunternehmen in Weilheim. Was mit ersten manuellen Maschinen zum Werkzeugschleifen beginnt, für die ein Kunde auch nach 35 Jahren noch Ersatzteile bekam, hat sich zu einer High-End- Schmiede entwickelt, an deren derzeitiger Spitze das Bearbeitungszentrum Flexus steht. Dieses neueste Produkt ist ein skalierbares Maschinensystem zum Schleifen oder Herstellen von Werkzeugen, das kundenindividuell als Einzel- oder Doppelmaschine ausgeliefert wird. Ein Automatisierungsmodul und entweder ein oder zwei Schleifmodule sind erhältlich. Mit der Doppelmaschine können unterschiedliche Werkstücke geschliffen werden oder zwei Bearbeitungsgänge parallel ablaufen. „Sie eignet sich besonders für die Bearbeitung komplexer Werkzeuge wie Wende- und Einstechplatten und deckt zudem ein weites Spektrum vollautomatischer Sonderschleifaufgaben ab“, betont Michels.
Solch komplexe und außergewöhnliche Technik sollte auch schön aussehen, war von Anfang an die Vorgabe von Deckel. Dass bis zur ersten Präsentation der Maschine auf der EMO 2007 nur neun Monate Zeit zur Verfügung standen, erforderte ein eng abgestimmtes Vorgehen zwischen Hersteller, Designer und Blechspezialist. Denn das Ziel, die komplexe Technik zu verstecken und den Blick des Bedieners ausschließlich auf die Bedienelemente zu lenken, muss auch konstruktiv und produktionsbezogen lösbar sein. Bei Hubl wird mit dem CAD-Programm Pro Engineer konstruiert, das um das Spezialmodul für Blechverarbeiter Sheet Metal ergänzt ist. So können mit einem einzigen CADProgramm durchgängige, fertigungsbezogene Lösungen entwickelt werden. Das spart Zeit und Kosten, vor allem bei der großen Anzahl an Baugruppen, die für das Flexus- Projekt konstruiert werden mussten. „Insgesamt kamen mehrere tausend zu konstruierende Einzelteile und hochkomplexe Baugruppen zusammen, deren termingerechte Herstellung nur durch die fertigungsbezogene Konstruktion mit unserer leistungsstarken Software möglich war“, betont Jochen Menge.
Blicke lenken – Bedienfreundlichkeit sichtbar machen
Die gesamte Maschine ist als kompakte, geschlossene Einheit ausgeführt, die lediglich durch einheitlich große Fugen zwischen den Verkleidungselementen unterbrochen wird. Um die plane Oberfläche realisieren zu können, sind Türsysteme entworfen worden, die sich ebenfalls ohne Rücksprünge einfügen lassen. So sind die großen Übergangsradien an den Eckleisten und Abschlussteilen, die in 2R-Edelstahl (3D-Spiegelblech) gefertigt sind, eine Herausforderung für die Herstellung. Und auch die vertikalen Verkleidungsteile aus senkrecht gebürstetem Edelstahl 1.4301 weisen komplexe Geometrien auf, deren Produktion zunächst konstruktiv gelöst werden muss. Für Werner Scholpp waren diese Designelemente extrem wichtig. „Gerade die klaren Linien, die durch die Eckleisten an den Kanten, die vertikalen Fronten und die rechten Winkel betont werden, erzielen den gewollten Effekt, dass sich alles ganz einfach präsentiert“, erklärt der preisgekrönte Industriedesigner. „Die Blicke werden so auf die Bedienterminals und die Griffleisten der Schiebetüren und Schubladen gelenkt. Das Auge verliert sich gar nicht erst in der hochkomplexen Technologie.“ Die Anzeige- und Bedieneinheiten bestehen ebenso aus einem Edelstahlgehäuse mit gerundeten, polierten Kanten. Sie lassen sich in zwei Positionen schwenken, wo sie jeweils arretiert werden. Der Maschinensockel, der alle Module einschließt, ist ringsum leicht zurückversetzt, mit anthrazitfarbenen Blechen verkleidet und lässt die Maschine „quasi schweben“.
Dass schließlich wie von Zauberhand auch fertig bearbeitete Werkstücke entstehen, bringt um Atem beraubte Betrachter dann wieder zurück in die Welt des gnadenlosen Wettbewerbs und der effizienten Produktion nach wirtschaftlichen Kriterien. Auch hier, in den funktionellen Einheiten, waren die Edelstahlexperten von Hubl gefragt. Denn wenn in den Schleifmodulen die Hochdruckdüse für das Kühlmittel zum Einsatz kommt, dann ist „Land unter in der Kabine“. Das Handling- und Automatisierungsmodul, in dem ein Sechsachs-Roboter TX90 von Stäubli die Beladung, den Werkstück- und Schleifkörperwechsel sowie individuell programmierbare Nebenfunktionen erledigt, darf davon natürlich nichts abbekommen. Wahlweise könnte auch ein Roboter von Fanuc, Denso oder Motoman hier Arbeit finden. Sie sind gleichsam alle geschützt durch dicht abschließende Flügeltüren aus Edelstahl und eine Wasserführung im Innern der Schleifmoduleinheiten mit labyrinthartigen Blechanordnungen.
Markenstrategie und Wunsch nach Unverwechselbarkeit
Alle Beteiligten sind froh, dass in der sehr kurzen Zeit alle Anforderungen des Maschinenherstellers, alle Ideen des Designers und alle Anstrengungen der Konstrukteure und Produktionsverantwortlichen zu einer funktionierenden Maschine geführt haben. „Hier kam uns zugute, dass wir mit Werner Scholpp schon mehrere Projekte realisiert haben“, berichtet Hubl Geschäftsführer Rainer Kiefer. Erst vor kurzem hat man gemeinsam mit einer Kontrollwaage für die Lebensmittelverpackung ein besonderes und erfolgreiches Produkt für Sartorius entwickelt. Schließlich hilft auch die räumliche Nähe zwischen Scholpp und Hubl, die Entscheidungswege kurz zu halten. Und so konnte die Flexus rechtzeitig fertig werden, um auf der EMO einem staunenden Publikum präsentiert zu werden. In diesen Tagen läuft die Herstellung der ersten bestellten Exemplare, die ab Mitte des Jahres ausgeliefert werden sollen.
Hinter dem Gesamtkonzept der Maschine, das auch das Design mit einschließt, steht eine klare Marketingstrategie. „Mit der Flexus entsteht eine Marke, die einzigartig, wertvoll und unverwechselbar sowie von weitem erkennbar ist.“ Die Kaufentscheidung für ein hochwertiges Investitionsgut werde gerade heute, wo Hightech-Maschinen und Billigkopien gleichermaßen angeboten werden, neben technischen und monetären Fakten in sehr starkem Maße auch vom Vertrauen in Produkt und Hersteller bestimmt, so Frank Michels. „Durch die Gestaltung, die die inneren Qualitäten der Maschine auch außen widerspiegelt, sie quasi sichtbar und erlebbar macht, kann in hohem Maße auch Vertrauen aufgebaut werden“, ist sich Michels sicher. Schließlich soll die Flexus das widerspiegeln, wofür sie steht und wofür die Firmen stehen, die sie kaufen: Innovation, Individualität und Erfolg.
